AmigaOS

Einführung

Der Amiga war bei seiner Markteinführung nicht nur durch seine Grafikfähigkeiten spektakulär, sondern er zeichnete sich auch durch ein sehr fortschrittliches Betriebssystem und eine leistungsfähige grafische Bedienoberfläche aus.

Ein "echtes" Multitasking ermöglichte es, dass mehrere Anwendungen quasi gleichzeitig ausgeführt wurden. Das konnte zu diesem Zeitpunkt weder MacOS, noch das TOS von Atari, geschweige denn Windows.

Der Amiga war bereits vom ersten Tag an mit einer grafischen Oberfläche ausgestattet, der "Workbench". Beim Systemstart wurde jedoch zunächst ein Shell-Skript ausgeführt, die sogenannte Startup-Sequence. Diese musste zwingend den Start der Workbench enthalten, ansonsten startete der Amiga in einen leeren Bildschirm ohne Interaktionsmöglichkeiten. Das Verfahren hatte den Vorteil, dass man anstelle der Workbench natürlich auch andere Programme starten konnte, was z.B. bei Spielen häufig genutzt wurde.

Die Workbench stellte auf dem Bildschirm eine Schreibtisch-Metapher dar - auf Englisch bis heute "Desktop" genannt. Das hatte sie mit MacOS gemeinsam. Die Ähnlichkeiten reichten jedoch noch weiter: Genau wie bei MacOS waren beim Amiga die Menüs von Programmen in der Kopfleiste des Desktops untergebracht, wurden beim Amiga aber nur beim Klick auf die rechte Maustaste sichtbar. An Programmfenstern gab es keine Menüleisten. Ebenfalls wie beim Mac wurden Datenträger als Symbole auf dem Desktop angezeigt und ein Doppelklick darauf öffnete ein Fenster, in dem die enthaltenen Dateien angezeigt wurden. Wurde ein Ordner (beim Amiga mit einem Schubladensymbol dargestellt) doppelgeklickt, öffnete sich ein weiteres Fenster mit den Ordnerinhalten. Beim Doppelklick auf ein Programm wurde es gestartet. Wurde eine Datei angeklickt, die mit einem bestimmten Programm erstellt wurde, startete dieses Programm und die Datei wurde automatisch geladen. Soweit kennt man das auch vom Mac und von neueren Windows-Versionen. Allerdings wird das in diesen drei Systemen unterschiedlich gelöst. Während sich Windows bis heute an Dateiendungen orientiert und MacOS Metainformationen in den jeweiligen Dateien nutzte, gab es beim Amiga Dateien mit der Endung ".info". Falls eine Datei in der Workbench angezeigt werden sollte, musste dafür eine gleichnamige Datei mit der Endung ".info" erstellt werden. In dieser Datei war nicht nur das Aussehen des Symbols ("Icon") definiert, sondern auch, was beim Anklicken passieren sollte.

Amigas waren standardmäßig mit einem Diskettenlaufwerk ausgestattet. In den meisten Fällen blieb es dabei oder es kam maximal noch ein zweites, externes Diskettenlaufwerk hinzu. Später gab es zwar auch Festplatten zu kaufen - sowohl von Commodore selbst, als auch von Drittherstellern. Serienmäßig war eine Festplatte jedoch nur bei den High-End-Modellen A3000 und A4000. Von A600 und A1200 gab es Varianten mit eingebauter Festplatte. Vom A2000 gab es auch Sondermodelle mit integrierter Festplatte. In den meisten Fällen - also bei der großen Masse der A500er - wurden Amigas folglich nur mit Disketten betrieben. Das sah so aus, dass man beim Einschalten eine startfähige Diskette einlegen musste. Ohne Diskette zeigte der Amiga nur eine kleine Animation, dass man doch bitte eine einlegen solle. Die meisten Programme wurden auf einer startfähigen Diskette geliefert. Wollte man das Programm wechseln, wurde der Computer nach dem Wechsel der Programmdiskette einfach neu gestartet. So kamen die Multitasking-Fähigkeiten des AmigaOS natürlich kaum zum Tragen.

Leider sah man die Leistungsfähigkeit von AmigaOS und der Workbench erst bei der intensiveren Beschäftigung mit dem System. Bei einem flüchtigen Blick wirkte die Workbench mit ihrem knallblauen Hintergrund deutlich weniger "erwachsen" als das vornehm schwarzweiße MacOS oder auch das GEM von Atari (zumindest, solange an dem der Schwarzweiß-Monitor angeschlossen war. Auf einem Farbbildschirm war GEM eine giftgrüne Scheußlichkeit). Hinzu kam noch, dass dem Amiga attraktive Betriebssystem-Dreingaben in Form einer einfachen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder eines Malprogramms fehlten. Noch schlimmer: Büroanwendungen waren anfangs überhaupt nicht erhältlich und auch später hinkten Sie ihren Pendants unter MacOS, Windows und sogar GEM deutlich hinterher. Das Fehlen einer für Haus- und Diplomarbeiten auch nur ansatzweise brauchbaren Textverarbeitung trieb die vielen jugendlichen Amiga-Fans spätestens im Studium dann scharenweise ins PC-Lager. Anders sah es bei Malprogrammen aus: DeluxePaint musste zwar relativ teuer bezahlt werden, für PCs gab es aber zunächst nichts vergleichbares. Bis DeluxePaint dann auch für Windows erschien.

Zumindest was das Erscheinungsbild angeht, gab sich Commodore später einige Mühe. Der blaue Desktop wurde mit Version 2.0 grau, die Fensterrahmen wirkten nun plastisch und die Standardfarbe war ein vornehmes Blaugrau. Das sah für den Zeitgeschmack sehr elegant aus, allerdings nur in der hohen Auflösung von 640x512 Pixeln, die die meisten Amigas nur "interlaced", also im Zeilensprungverfahren begleitet von wüstem Geflimmer darstellen konnten. Die Standardauflösung war daher 640x256 Pixel, bei der jedes Pixel deutlich höher als breit war - und der Workbench auch in der modernisierten Gestaltung ein eher billiges Aussehen gab.

Auf einem gut ausgestatteten Amiga mit Grafikkarte, 17-Zoll-Bildschirm und einem schnellen Prozessor konnte der Amiga den PCs noch recht lange das Wasser reichen. Auch im Vergleich zu Windows 95 oder 98 wirkte AmigaOS keineswegs antiquiert - obwohl es Commodore bei deren Erscheinen schon gar nicht mehr gab.

Ausprobieren...

Den realistischsten Eindruck von AmigaOS und der Workbench bekommt man natürlich auf der originalen Hardware. Man kann den Amiga jedoch auch sehr gut auf moderner PC-Hardware emulieren. Mit WinUAE gibt es ein sehr potentes und zudem kostenloses Programm dafür. Allerdings stehen das Betriebssystem-ROM und auch die Workbench weiterhin unter Copyright und daher muss man sich die entsprechenden Dateien entweder von einem originalen Amiga "borgen" oder ein kommerzielles Emulations-Paket kaufen. Die Rechte der klassischen AmigaOS-Versionen liegen bei Cloanto, die verschiedene Konstellationen von ROM- und Diskettenimages anbieten.

Es gibt jedoch auch das Projekt "AROS" (AROS Research Operating System), bei dem die API von AmigaOS 3.1 komplett neu entwickelt wurde. Es kann nun auf den verschiedensten Plattformen laufen, wobei Amiga-Software natürlich für die jeweils zugrundeliegende Hardwarearchitektur neu compiliert werden muss. Eher ein Abfallprodukt dieser Entwicklung ist ein freies Betriebssystem-ROM für den originalen Amiga, das in EMulatoren verwendet werden kann und daher auch in WinUAE enthalten ist. Es wird auch bei "SAE" (Scripted Amiga Emulator) genutzt, einem echten Amiga-Emulator auf Javascript-Basis, der ohne Installation im Browser läuft. In Kombination bekommt man damit einen emulierten Amiga ohne weitere Tricks gestartet - allerdings liefert der kein wirklich realistisches Amiga-Feeling. Dazu muss man ihm die copyright-geschützten ROM- und Disketten-Images vorsetzen.

Ein sehr erstaunliches Projekt ist "TAWS" (The Amiga Workbench Simulation). Das ist kein Emulator, sondern eine Browser-Anwendung, die die Amiga-Workbench täuschend echt nachahmt. Allerdings halt auch nur die Workbench. Mangels Emulation kann TAWS keine Amiga-Programme ausführen. Es gibt aber keinen einfacheren und schnelleren Weg, um ein fast realistisches Amiga-Feeling zu bekommen. Man kann dabei übrigens nichts kaputt machen - alles läuft ausschließlich im Browserfenster. Und wenn man das neu lädt, sieht der Desktop wieder aus wie zu Beginn.

Man kann mit TAWS unter anderem die drei maßgeblichen Releases des Amiga-Betriebssystems ausprobieren:

Workbench 1.3

Workbench 2.0

Workbench 3.1